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Alasca Black

Alasca ist ein Multitalent und bezeichnet sich selbst als Wortkünstlerin. Besonders am Herzen liegen ihr Erfahrungen mit Rassismus, Diskriminierung und Hass.
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WIE TRAUER AUSSIEHT

Mai 12, 2026von Alasca Black0

Für den Trauernden (im Inneren)

Trauer sieht so aus: Aufwachen und für drei Sekunden vergessen. Dann erinnern. Dann so tun, als ob nicht.

Sie sieht so aus: Mittags geht es dir gut, und um 14:17 Uhr schluchzt du wegen eines Kassenzettels, eines Lieds, eines Geruchs, eines Nichts.

Sie sieht so aus: Erschöpfung. Nicht die Art, die Schlaf heilt. Die Art, die in deinen Knochen wohnt, die Entscheidungen fühlen lässt wie einen Aufstieg.

Sie sieht so aus: Einen Rucksack voller Steine tragen, den niemand sonst sehen kann. An manchen Tagen sind die Steine schwerer. An manchen Tagen vergisst du, dass der Rucksack da ist – bis du dich umdrehst und er schwingt, und das Gewicht erinnert dich.
Sie sieht so aus: Wut. Auf sie. Auf dich. Auf das Universum, weil es das wieder zugelassen hat.
Sie sieht so aus: Verhandeln: Wenn ich doch nur etwas anders gesagt hätte. Wenn ich geblieben wäre. Wenn ich früher gegangen wäre.

Sie sieht so aus: Stille. Weil Worte zu klein sind. Weil du es leid bist zu erklären. Weil niemand versteht, der nicht selbst dort war.
Sie sieht so aus: Trotzdem lachen. Nicht, weil es nicht wehtut. Sondern weil du dich weigerst, dass der Schmerz die ganze Geschichte ist.
Sie sieht so aus: Eine Glocke, die angeschlagen wird. Sie bricht hervor. Sie flüstert nicht.

Für andere, die zuschauen (von außen)

Trauer sieht so aus: Unberechenbarkeit. Einen Tag geht es ihr gut. Am nächsten Tag sagt sie alles ab. Du denkst, sie ist darüber hinweg. Ist sie nicht. Wird sie nie sein. Sie sieht so aus: Distanz. Sie ruft nicht zurück. Sie antwortet nicht auf Nachrichten. Du denkst, sie ignoriert dich. Sie überlebt nur.
Sie sieht so aus: Wut – gerichtet gegen die Falschen, gegen dich, gegen die Kassiererin, gegen Gott. Du könntest es persönlich nehmen. Tu es nicht.
Sie sieht so aus: Ein Mensch, der aufgehört hat so zu tun, als sei alles in Ordnung. Und das ist beängstigend für Menschen, die immer noch so tun.

Sie sieht so aus: Eine langsame Genesung. Keine gerade Linie. Zickzack. Plateaus. Rückfälle. Du willst, dass sie „weiterzieht“. Sie zieht weiter. Nur nicht nach deinem Zeitplan.
Sie sieht so aus: Jemand, der gelernt hat Nein zu sagen. Um ihren Frieden zu schützen. Emotionale Gifte zu verbrennen. Und für dich mag das kalt wirken. Für sie ist es Überleben.
Sie sieht so aus: Eine Kirchenglocke. Du hörst den Schrei. Du nennst ihn nicht schwach. Du sagst: Hier ist etwas wichtig.

Für eine Freundin, die eine Freundin verloren hat – die, der sie immer half

Oh, Trauer ist verwoben mit Erschöpfung, Groll, Erleichterung und Schuld – alles auf einmal.

So sieht sie aus:

  • Du hast geholfen. Wieder und wieder. Du hast die Taschenlampe gehalten, während sie das Loch grub. Dann sprang sie wieder hinein. Wieder.
  • Du hast ihr das Muster erklärt. Sie nickte. Dann wiederholte sie das Muster.
  • Du hast ihr geglaubt, als sie sagte: „Diesmal ist es anders.“ War es nicht.
  • Du gabst ihr das Buch. Die Nummer. Das Sofa. Das Geld. Das Gebet. Den Vertrauensvorschuss. Die 77. Chance.
  • Und dennoch – sie wählte den alten Weg. Den vertrauten Schmerz. Die Selbstsabotage. Die Weigerung zu lernen, zu glauben, zu vertrauen, dass es besser wird.

Also jetzt:

  • Trauer sieht so aus: Loslassen – nicht, weil du aufgehört hast, sie zu lieben. Sondern weil du angefangen hast, dich selbst zu lieben.
  • Sie sieht so aus: Eine Brücke abbrechen – nicht mit Grausamkeit, sondern mit Klarheit. Ich kann dir nicht wieder dorthin folgen.
  • Sie sieht so aus: Aus der Ferne zusehen – hoffen, aber nicht mehr den Atem anhalten.
  • Sie sieht so aus: Wut – auf sie, weil sie ihr Leben verschwendet, auf dich, weil du dachtest, du könntest sie retten.
  • Sie sieht so aus: Erleichterung – und dann Schuld wegen der Erleichterung.
  • Sie sieht so aus: Jemanden betrauern, der noch lebt. Das ist eine besondere Art von Trauer. Sie hat keine Beerdigung. Keinen Abschluss. Keinen Körper. Nur eine Leere, wo einst Hoffnung wohnte.
  • Sie sieht so aus: Akzeptanz: Sie segelt auf einer anderen Dimension mit anderen Wirklichkeiten. Ich lasse sie los.

Und hier ist die Wahrheit, die du hören musst, Freundin:
Du hast sie nicht im Stich gelassen. Du hast deine Fantasie von ihr im Stich gelassen. Die, in der sie endlich aufwacht, endlich lernt, endlich auf dem Weg bleibt. Diese Fantasie war niemals real. Du trauerst um ein Gespenst, das du gebaut hast.

Aber du? Du hast gelernt. Du hast dich angepasst. Du hast eine dickere Haut bekommen. Du wirst nicht dort sitzen, wo du saßt, als ihr letzter Sturm kam. Du wirst nicht schwach dastehen. Du wirst nicht weiter da liegen, wo du gefallen bist.
Du bist eine Glocke, die angeschlagen wurde. Und du klingst noch immer.

Wie Trauer für die Weisen aussieht – ein Überblick

Trauer sieht aus wie ein Sturm, der mit neuen Gesichtern, neuen Kräften, neuen Energien zurückkehrt.
Der erste Sturm macht dich platt. Den zweiten Sturm – siehst du kommen. Du vernagelst die Fenster. Den dritten Sturm – stehst du an der Tür und siehst ihn vorbeiziehen. Er erschüttert dich noch immer. Aber du sitzt nicht dort, wo du das letzte Mal saßt. Du liegst nicht dort, wo du fielst.

Trauer sieht aus wie das Lernen von der nicht-ewigen Natur der Stürme – während du auch lernst, dass Stürme zurückkehren.

Trauer sieht aus wie Werden – nicht trotz der Stürme, sondern wegen ihnen. Jeder hinterlässt eine neue Schicht. Einen Schwiele. Eine Fähigkeit. Eine Narbe, die etwas weiß.

Trauer sieht so aus: Immer noch weinen – aber aufwärts weinen, wie die Glocke. Kein Zusammenbruch. Ein Hinausrufen.

Trauer sieht so aus: Immer noch aufstehen – schön wie der Morgen. Nicht weil die Nacht nicht war. Sondern weil die Nacht nicht die ganze Geschichte ist.

Trauer sieht so aus: Gifte verbrennen – wieder und wieder, wissend, dass es vielleicht kein Ende gibt. Die Asche abstauben. Das Nächste verbrennen. Nicht auf den endgültigen Sieg warten. Lernen, im Fortwährenden zu leben.

Trauer sieht so aus: Den nächsten Sturm nicht vorwegnehmen – nicht in Angst vor seiner Rückkehr leben. Denn während du trauertest, hast du etwas Größeres gelernt: Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Und jetzt?
Du bist noch derselbe Mensch. Äußerlich siehst du vielleicht sogar genauso aus.
Aber, mein Lieber: Mit dir ist nicht zu spaßen.
Du kommst und gehst nicht mit Ankündigungen.
Du läutest einfach.

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