FÄRBE MICH LILLA
Ich hungere nach einem Farbton, der nicht rot ist,
Nicht das Karmesin der Wunde, der Schrei, den keiner bot.
Ich dürste nach einer Farbe, die nicht blau,
Die tiefe Verzweiflung all dessen, was wir genau durchschauen.
So färbe mich lila. Lass die Tinte tief sein,
Für die stillen Versprechen, die die Gewalttätigen ihr Eigen nennen.
Für das weite Kindesauge, den Schatten eines Frauenmals,
Den Mann, der zerbrochen ward am erbarmungslosen Rad der Qual.
Färbe mich lila für jeden gestohlenen Atemzug,
Einen königlichen Protest angesichts des sicheren Todes, genuin und zäh.
Tränke mich im Guss eines lila Regens,
Wasch den Schmerz vom Pflaster, tilg die Spur von Makels Schwemms.
Lass den Duft von Lavendel, ein Geist im Raum,
Die Bosheit leeren, die Kälte, den Albtraum.
Lass ihn das wilde Rot und das sanfte Blau vereinen,
Den Zorn um Gerechtigkeit, den Frieden, den wir reinen.
Färbe mich mit Weisheit, einem geistigen Licht,
Eine Krone für die Menschen, die durch die Nacht stehen im Gericht.
Färbe mich mit Macht, nicht von einem Thron,
Aber dem schöpferischen Willen, neu zu bauen, was man stürzte schon.
Färbe mich mit Würde, einer widerstandsfähigen Kunst,
Dem ehrgeizigen Feuer eines heilenden Herzens, das brünst.
Wir haben lila Tränen geweint, eine Klage so tief,
Doch das Rot unseres Volksbluts schläft nicht, es rief.
Es lässt sich nicht färben, es weigert sich zu verblassen,
Ein schreiender, scharlachner Vorwurf, den wir lassen.
Die Herrscher dinieren über Geschäften, poliert und schlicht,
Während der Boden selbst aufschreit mit unserem Schmerzensgewicht.
Nur zu, wir mögen gestorben sein, unsere Namen auf einer Rolle,
Ein voll bezahlter Preis für den Kontrollverlust, der uns hole.
Und nach dem Ausbruch, nach den stillen, gewürgten Schreien,
Nach dem Zersplittern all unserer Träume und Leiden,
Flüstert eine schlichte Stimme, gebrechlich, doch befreit:
„Alles, was wir wollen, ist Frieden und Harmonie – das ist die Zeit.“
Es ist die einzige Farbe, die uns Ruhe schenken wird.
Der letzte, stille Farbton, wenn wahrer Segen uns umfängt und hält.

