MEIN SCHÖNES ATMEN
MEIN SCHÖNES ATMEN
(mit Atemzeichen für den Vortrag)
Nein, ich habe nie gehört, dass das Atmen einen Ort bekäme.
Es ist eine jener stillen, gewöhnlichen Dinge, die wir ohne Nachdenken tun –
allgegenwärtig wie die Luft selbst,
doch es bestimmt unser Lebendigsein.
Viele Menschen beten jeden Morgen und danken dafür,
dass sie noch atmend aufwachen.
Aber die verborgene Kunst des Atmens zu entdecken –
das bedeutet, Weisheit zu begegnen.
Das bedeutet, deinen Körper wie ein Paradies zu fühlen,
ein Königreich,
ein Heiligtum ohne Wände.
Atmen ist das erste Signal,
der erste Hinweis darauf,
dass wir lebendig sind –
in dem Moment, in dem wir in diese Welt treten, ins Dasein.
Und doch –
tun wir es richtig?
Auch wenn wir es bis jetzt getan haben?
Oh, ja. Wir atmen ein. Wir atmen aus.
Uns wird der Atem geraubt
von unbeschreiblicher Schönheit.
Aber was wäre, wenn der Atem nicht geraubt würde, sondern geschenkt?
Was wäre, wenn Atmen kein Reflex wäre,
sondern ein Zurückkehren?
Hör zu.
Richtig zu atmen ist nicht bloß Ein- und Ausatmen.
Es ist, dich selbst zu erinnern.
Es ist, das Leben langsam und bewusst zu dir zu ziehen,
wie ein Bogen über die Saiten.
Warte nicht auf den Sturm, um den heiligen Akt zu lernen.
Warte nicht auf die erdrückende Last,
die Panik, das Beinahe-Ertrinken,
um zu entdecken, dass deine eigenen Lungen eine Kapelle sind.
Atme, bevor du zerbrichst.
Atme in die Stille hinein.
Lass den Atem kein Seufzer der Erschöpfung sein,
sondern ein Gebet ohne Worte.
Denn wenn du lernst, richtig zu atmen –
nicht flach, nicht gehetzt, nicht vergessen –
wirst du mehr finden als eine Technik.
Du wirst eine lebensrettende Kunst finden.
Vielleicht brauchst du in diesem Moment keine Rettung.
Dann umso besser.
Noch herrlicher.
Denn du wirst lebendig atmen,
nicht keuchend ums Überleben kämpfend.
Ich liebe dieses neue Wissen
über das richtige Atmen.
Es lässt mich großartig und leicht fühlen,
als wären meine Rippen Flügel,
als wäre meine Brust eine Wiege,
als wäre jeder Atemzug eine kleine, unsichtbare Krönung.
Ich musste schreien.
Ich musste danken.
Für mein schönes Atmen.
Dank an meinen Körper,
dieses treue Gefäß.
Dank an zwei Ms –
Marianthi und Marlene –
meine begleitenden Engel,
die mir gezeigt haben, dass Atmen nicht automatisch ist.
Atmen ist auch Kunst.
Wenn es gesagt werden muss, sag es.
Ich habe es gesagt.
Ich schreie es noch immer:
Atme, und du bist hier.
Atme tief, und du bist heilig.
Atme langsam, und du bist zu Hause.

